Nähern wir uns der Zeitarbeit einmal von der anderen Seite. Wir haben bereits besprochen, wie die Arbeitnehmerüberlassung ein Vorteil für alle Beteiligten ist, inklusive den Arbeitnehmern. Jedoch sind es gerade diese, die dem Personalleasing negativ gegenüberstehen. Sie sehen sich auf der Verliererseite, den Billigarbeitern, die von Betrieb zu Betrieb geschickt werden. Daher wird es Zeit, einmal zu schauen, ob die Leiharbeit wirklich eine Chance oder eher ein Risiko für die Leiharbeitnehmer ist.
Was sind die Vorteile der Zeitarbeit?
Schauen wir aus einem anderen Blickwinkel auf die Vorteile, die die Zeitarbeit den Leihbeschäftigten bietet.
1. Rechtliche Absicherung
Die Arbeit im Rahmen der Leiharbeit geschieht im Rahmen eines Arbeitsvertrages. Sie ist nicht als Scheinarbeit mittels eines Werkvertrages getarnt und sie ist auf keinen Fall eine Form der Schwarzarbeit. Die Zeitarbeitskräfte erhalten einen Arbeitsvertrag, der zwischen ihnen und dem Verleihunternehmen gilt. Noch einmal: Es gilt Arbeitnehmerüberlassung oder Werkvertrag, nicht beides zusammen. Der Arbeitsvertrag für die Zeitarbeit regelt die Umstände, die Entlohnung und mehr. Dazu kommt un Überlassungsvertrag, der dann ebenfalls alles noch einmal regelt. Für den Leiharbeitnehmer heißt dies: Hier herrscht rechtliche Sicherheit, die sich notfalls auch vor Gericht durchsetzen lässt.
Zur rechtlichen Sicherheit gesellt sich die soziale Sicherheit. Die Arbeitsverträge und die Arbeit selbst sind sozialversicherungspflichtig. Das bringt die Absicherung durch entsprechende Leistungen, wenn das Arbeitsverhältnis beendet wird.
2. Entgelt – Lohnuntergrenzen
Auch für das Entgelt liegen Vorschriften vor. Diese beinhalten unter anderem Lohnuntergrenzen. Das heißt, hier gibt es Mindestlöhne, mit denen gerechnet werden kann und die zumindest im Allgemeinen als ausreichend für den Beschäftigten angesehen werden können.
3. Weiterbildungsmöglichkeiten
Personalbereitsteller sind verpflichtet, in einen Weiterbildungsfonds einzuzahlen. Das hilft den Leihbeschäftigten, entsprechende Weiterbildungsmaßnahmen zu durchlaufen. Dazu gehören Lehrabschlüsse, Staplerschein, Kranführerschein, Computerkurse, Sprachkurse und mehr. Diese sind finanziert und stehen den Beschäftigten kostenlos zur Verfügung.
4. Schnelle Eingliederung in den Arbeitsmarkt
Mit der Leiharbeit selbst besteht für Arbeitssuchende eine Chance, schnell wieder in den Arbeitsmarkt einzusteigen. Mit den Weiterbildungsmaßnahmen erhöhen sie ihr Potential, so dass die Chancen auf eine Festanstellung steigen.
5. Wertvolle Berufserfahrung durch Zeitarbeit
Schlussendlich kommt dazu die Erfahrung. Der Leiharbeitnehmer erhält nicht nur wertvolle Berufserfahrung in seinem Betätigungsfeld. Er erhält auch soziale Erfahrung durch die Integration in verschiedene Betriebe über mehrere Einsätze hinweg. Damit nicht genug, lernt er auch die Betriebe selbst kennen. Mit jedem Einsatz steigt so seine Chance, bei einer guten Arbeitsleistung eine Festanstellung zu erhalten. Diese mag sich in dem aktuellen Einsatzbetrieb materialisieren, in einem früheren Einsatzbetrieb erfolgen oder in einem anderen Betrieb, dem der individuelle Leiharbeitnehmer empfohlen wurde. Auch Arbeitgeber sind auf der Suche nach gutem Personal – so ist es möglich, dass Leiharbeiter, deren Rotation bereits beendet wurde, auch später noch kontaktiert werden oder einem anderen Unternehmen gegenüber eine Empfehlung ausgesprochen wird.
Ist Leiharbeit ein Jobmotor?
Auf den Punkt gebracht muss für einen Arbeitssuchenden eine Stelle vorhanden sein, um aus der Arbeitslosigkeit in eine Anstellung, sei es als Leihbeschäftigter oder als Festangestellter, zu wechseln. Hier ist es die Leiharbeit, die aus der Notwendigkeit heraus ein ganz neues Feld für Arbeit erschlossen hat. Das heißt, mit der Leiharbeit wurden viele neue Arbeitsplätze geschaffen.
Tatsächlich war es die Leiharbeit, die im Rahmen des Aufschwungs vor der Finanzkrise von 2008 und dem folgenden Aufschwung als Jobmotor diente. Dies ist unter anderem auf die Deregulierung in diesem Bereich zurückzuführen. Danach, in der Krise, waren es jedoch auch die Verleihunternehmen, die die Vorreiter beim Abbau des Personals darstellten. In der Folge zog die Zahl der Beschäftigten in diesem Bereich wieder an. In anderen Worten: Die Leiharbeit ermöglicht Flexibilität in den Unternehmen, muss aber auch selbst flexibel sein.
Das führt dazu, dass in den Zeiten des Aufschwungs durch die Zeitarbeit ein schneller Aufbau von Arbeitsplätzen erfolgt, der dann in der Krise ebenso schnell wieder abgebaut wird. Das bedeutet für den Leiharbeiter jedoch auch, dass er einem größeren Risiko unterliegt, seinen Job zu verlieren. In diesem Zusammenhang muss auch das Wort „Chance" verstanden werden. Sitzt ein Arbeitssuchender nur zu Hause, hat er keine Chance, einen Job zu erhalten. Bewirbt er sich fleißig, dann steigt die Wahrscheinlichkeit deutlich an – das ist jedoch keine Garantie, sondern eine Chance.
Arbeitet er in der Leiharbeit, dann steigt die Wahrscheinlichkeit für eine Festanstellung gewaltig. Nicht nur hat sich seine Chance auf einen Arbeitsplatz inzwischen realisiert – er hat nun eine Chance, diesen Arbeitsplatz zu verbessern, indem er von einer Leihbeschäftigung in eine Festanstellung wechselt. In einer solchen Konstellation muss immer mit Wahrscheinlichkeiten und Chancen gerechnet werden.
Kommt es dann zu einer Krise, verlieren alle. Dass dabei die Leiharbeit als erste Arbeitsplätze abbaut, ist keine Überraschung. Es liegt in der Natur der Sache, dass Personal, welches der Abdeckung von Auftragsspitzen dient, beim Ausbleiben von Aufträgen als erstes weggekürzt wird.
Wie erfolgen Schwankungen auf dem Jobmarkt?
Eine Krise ist immer auch eine Gelegenheit. Tatsächlich sind Krisen auf dem Finanzmarkt oder jedem anderen Markt einfach nur die Folge von Fehlentwicklungen, die im Rahmen der Krise berichtigt werden. Das gehört zu jedem guten Markt dazu.
Diese Tatsache zeigt sich auch darin, dass eine Krise zwar einen Personalabbau insgesamt bewirken kann, diesen jedoch selten auf den gesamten Arbeitskräftemarkt ausdehnt. So verloren zwar im Rahmen der Finanzkrise 200.000 Arbeitsplätze innerhalb nur eines Jahres, doch im gleichen Zeitraum gab es Branchen, in denen die Leiharbeit aufblühte. Dazu gehören der Dienstleistungssektor, darunter auch das Sozial- und Gesundheitswesen, sowie der Einsatz bei Call-Centern.
Diese Tatsache soll jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Leiharbeitsbranche von der Krise deutlich getroffen wurde. Der Arbeitsausfall betrug fast 50%. Dabei kam es auch zu Versäumnissen – vor allem wurde die Möglichkeit, die Qualifikation von Leiharbeitnehmern zu verbessern, nicht genutzt, als der Jobmarkt wieder anzog und mehr Leiharbeiter benötigt wurden.
Kann Leiharbeit ein Ausweg aus der Arbeitslosigkeit sein?
Die Leiharbeit wird oftmals von der Politik und von der Wissenschaft als ein Mittel angesehen, Arbeitssuchenden in ein Beschäftigungsverhältnis zu verhelfen. Studien, die diesbezüglich in Auftrag gegeben wurden, beschäftigten sich mit der Frage, woher die Leiharbeitnehmer kamen. Waren sie wirklich vor der Leiharbeit Arbeitssuchende oder befanden sie sich vor der Leihbeschäftigung in einer Festanstellung?
Die Zahl, die sich ergab, war 40%. Das heißt, für 40% der Leiharbeiter erfolgte die Tätigkeit der Leihbeschäftigung direkt auf ein festes Arbeitsverhältnis. Während das nun nicht ermutigend erscheint, muss jedoch ein wenig genauer hingesehen werden.
Für rund 60% der Arbeitnehmer stellt die Leiharbeit einen Weg aus der Arbeitslosigkeit dar. 50% der Leihbeschäftigten waren vor der Leiharbeit für ein Jahr oder weniger ohne Arbeit. 10% waren sogar für mehr als ein Jahr ohne eine Anstellung. Das heißt, für diese 60% hat sich der Traum von der Arbeitslosigkeit in eine Anstellung erfüllt.
Noch interessanter ist jedoch der Blick in die 40%, bei denen sich die Arbeit innerhalb der Arbeitnehmerüberlassung auf eine Anstellung anschloss. Hier liegt die Vermutung nahe, dass Arbeitskräften gekündigt wurde, die sich dann in der Leihbeschäftigung wiederfanden. Tatsächlich liegt der Fall jedoch so, dass diese Arbeitskräfte sich in einer prekären Lage befanden: Ein befristetes Arbeitsverhältnis lief aus oder sie waren von einer Kündigung aus betrieblichen Gründen bedroht. In anderen Worten: Die Arbeitnehmer, die von einer bestehenden Tätigkeit in die Leiharbeit wechselten, taten dies als Alternative zur Arbeitslosigkeit, die ihnen sonst drohte.
Das heißt aus der gesamten Sicht, dass die Leiharbeiter entweder Arbeitslose in den Beruf zurückgebracht oder aber Arbeitskräfte vor der Arbeitslosigkeit bewahrt hat.
Warum suchen Verleiher gerade bei Arbeitslosen und nicht bei Festangestellten?
- Festangestellte innerhalb eines Betriebes erhalten gewöhnlich eine bessere Entlohnung als Leiharbeiter – daher haben sie keine Motivation, in ein Leiharbeitsverhältnis zu wechseln.
- Arbeitslose bzw. Beschäftigte vor der Arbeitslosigkeit sehen die Leiharbeit als eine bessere Alternative an. Dabei ist es weniger die Leiharbeit, die sie anzieht, sondern die Aussicht, in dem Einsatzbetrieb übernommen zu werden.
- Die Verleihung erfolgt in den Einsatzbetrieben für Tätigkeiten, die oftmals keine oder nur eine geringe Zeit zum Anlernen benötigen – das macht es Neu- und Wiedereinsteigern einfacher, in das Arbeitsleben zurückzufinden.
- Der Gesetzgeber schreibt den Zeitarbeitsfirmen eine Brückenfunktion zu. Um dies zu erleichtern, ist es statthaft, Arbeitslose im Rahmen der Zeitarbeit mit einem Nettoarbeitsentgelt zu entlohnen, das der Höhe des letzten Arbeitslosengeldes entspricht.
- Das führt auch dazu, dass Verleiher sehr oft Lohnkostenzuschüsse erhalten, wenn sie Arbeitslose einstellen.
Wie kommt man von der Leiharbeit zur Festanstellung?
Verleihunternehmen übernehmen eine wichtige Brückenfunktion, indem sie Arbeitskräfte aus der Arbeitslosigkeit holen und diese einer Beschäftigung zuführen. Während dies gewerblich gesehen ihre einzige Aufgabe ist, erhalten sie von der Politik und der Gesellschaft den Auftrag, diese Leiharbeit so weit wie möglich in eine Festanstellung gipfeln zu lassen.
Die Zahlen, die sich daraus ergeben, erscheinen wenig ermutigend. Nur als Zahlen betrachtet, sagen diese aus, dass sich die Zahl der Arbeitskräfte in der Verleihbranche innerhalb eines Jahres zu mehr als 100% umschlägt.
Es liegt jedoch in der Natur der Verleihbranche, dass es zu derartigen Fluktuationen kommt. Die Realität ist jedoch viel komplizierter. Nicht 100% der Leiharbeiter erleben eine Übernahme aus der Zeitarbeit in eine Festanstellung. Nach einem Bericht des Bundesarbeitsministeriums liegt die Erfolgsrate bei nur 8% – und dies nur, wenn man die Leihbeschäftigungsverhältnisse über einen längeren Zeitraum ansieht. Danach gelangen nur 8% der Leiharbeiter innerhalb der ersten zwei Jahre ihrer Beschäftigung in eine Festanstellung.
Die Gründe dafür sind vielseitig, doch die beiden wichtigsten liegen darin, dass die Betriebe bereits über eine ausreichende Stammbelegschaft verfügen und dass die Leiharbeiter selbst gefordert sind. Im Einzelnen: Leiharbeiter werden von Vornherein auf Zeit in den Betrieben eingesetzt – die Übernahme in die Stammbelegschaft ist von Anfang an nicht vorgesehen. Öffnet sich jedoch eine Stelle während ihres Einsatzes im Betrieb, können sie sich mit ihrer Arbeit unter Beweis stellen. Das aber ist einwandfrei die Ausnahme, nicht die Regel.
In anderen Worten: Die Chancen auf eine Festanstellung bestehen, doch sie sind nicht so häufig, wie sich das die Politik wünscht. Die Arbeitskräfte sind gefordert, ihre Motivation und Qualifikation unter Beweis zu stellen, um die wenigen Arbeitsplätze zu erhalten, die zur Verfügung stehen.
Kann man von der Leiharbeit in die Arbeitslosigkeit kommen?
Der Chance, von der Leiharbeit in eine Festanstellung zu wechseln, steht das Risiko gegenüber, von der Leiharbeit in die Arbeitslosigkeit abzurutschen. Die Brückeneffekte, während sie von der Politik erhofft sind, stellen sich in der Realität als weniger stark heraus. Demgegenüber sind jedoch Leiharbeiter die ersten, die entlassen werden, wenn es eng wird.
Die Leiharbeit ist also mitunter auch eine Brücke in die andere Richtung – von einer Beschäftigung, hier die Leiharbeit, in eine unstetige Beschäftigung oder sogar die Arbeitslosigkeit. Das ist besonders bei denen der Fall, die aus der Arbeitslosigkeit in die Leiharbeit wechselten. Es kann sich sogar eine regelrechte Karriere entwickeln, in der sich Zeiten der Arbeitslosigkeit mit Zeiten der Leiharbeit abwechseln. Das bringt für die Betroffenen keine stabile Lebenssituation mit sich, was zu sozialen und psychologischen Auswirkungen führt.
Rechnet man die bestehende Menge an Leihbeschäftigten denen gegenüber, die von der Leiharbeit in die Arbeitslosigkeit wechseln, dann werden pro Jahr rund 76% der Leiharbeitskräfte arbeitslos. Diese Zahlen berücksichtigen jedoch nicht, ob einzelne Leiharbeiter mehrmals arbeitslos wurden oder mehrfach in die Zeitarbeit zurückkehrten.
Im Prinzip lässt sich festhalten, dass die Verleihbranche den Sozialsystemen hilft, indem sie zumindest vorübergehend Arbeitssuchenden einen Job vermittelt. Zugleich überträgt die Verleihbranche ihr Risiko auf die Sozialsysteme – in auftragsarmen Zeiten wechseln die Leiharbeiter in die Arbeitslosigkeit über und beziehen Leistungen aus dem System.
Wie sind die Einkommen der Leiharbeitskräfte und besteht ein Risiko der Verarmung?
Die Beschäftigten in der Leiharbeit unterliegen einem verhältnismäßig hohen Risiko der Verarmung. So bezieht 77% von ihnen einen Lohn, der sich unterhalb der Niedriglohnschwelle bewegt. Zugleich leben die Leihbeschäftigten häufig in Haushalten ohne einen weiteren Erwerbstätigen – das bedeutet, dass sie höhere Lebenshaltungskosten aufweisen und keine finanzielle Unterstützung durch Familienmitglieder erwarten können.
Im Durchschnitt liegt das Einkommen von Leiharbeitnehmern 24% unter dem anderer Beschäftigungsgruppen. Das bedeutet auch, dass jeder Neunte im Rahmen der Leiharbeit Leistungen aus den Sozialsystemen bezieht.
Insgesamt ist das Risiko, zu verarmen, für einen Leiharbeitnehmer 4-mal so hoch wie bei einem anderen sozialversicherten Beschäftigten. Das Risiko der Verarmung ist jedoch viel höher, als diese Zahlen es vermuten lassen.
Leiharbeitnehmer sind viel stärker als andere Beschäftigte von der Arbeitslosigkeit bedroht. Da sich die Unterstützung aus der Arbeitslosenversicherung nach dem Einkommen richtet und im Schnitt ein Drittel unter dem Nettoverdienst liegt, liegt hier die echte Gefahr. Die Chance für einen Leiharbeitnehmer, seinen Job mit einem niedrigen Verdienst zu verlieren, ist sehr hoch – woraufhin sein Einkommen dann noch einmal schmerzlich sinkt.
Oftmals werden bei der Leiharbeit überhaupt keine Ansprüche aus der Arbeitslosenversicherung aufgebaut. Das liegt einfach daran, dass die Episoden der Leiharbeit zu kurz sind – damit fallen die Leistungen aus den Sozialsystemen noch viel niedriger aus.
Gibt es qualifikationsgerechte Beschäftigungen in der Leiharbeit?
Leiharbeitnehmende sehen sich einem weiteren Risiko gegenüber: dem Risiko der Dequalifikation. In der Regel liegt bei den Beschäftigten der Anteil der Arbeitnehmer ohne Berufsausbildung bei 15 bis 20%. In der Leiharbeit liegt er jedoch doppelt so hoch. Das bedeutet, dass nur rund 60% der Leiharbeitnehmer über einen Berufsabschluss verfügen. Der Anteil der Akademiker liegt hier sogar bei nur 3%.
Die Leiharbeiter werden gewöhnlich für Tätigkeiten eingesetzt, die keine oder nur eine kurze Zeit zum Anlernen benötigen – also für die Arbeit von ungelernten Hilfsarbeitern. Das führt dazu, dass in einer Umfrage des Arbeitsministeriums von Nordrhein-Westfalen 54% der Befragten angaben, dass ihre Tätigkeit nicht dem entspricht, was sie als Beruf erlernt haben.
Können Arbeitnehmer jedoch nicht in dem Bereich arbeiten, den sie gelernt haben, können sie ihre Kenntnisse und Fähigkeiten nicht erhalten – die Dequalifikation droht. Diese steht dann einer Übernahme von Zeitarbeit in die Festanstellung entgegen. Das gilt sogar dann, wenn die Arbeit der potentiellen Festanstellung ein nur geringes Erfordernis der Qualifikation aufweist. Das heißt: Arbeitskräften mit einem Berufsabschluss in der Leiharbeit droht die Gefahr, dass mit der Zeit ihre Chance auf eine Festanstellung deutlich absinkt. Sie können dann nicht mehr mit anderen, qualifizierten Arbeitnehmern konkurrieren.
Fazit
Für den Leiharbeitnehmer bietet die Leiharbeit eine Reihe von Vorteilen. Dazu gehört die rechtliche Absicherung, Sozialbeiträge, ein Mindestlohn und mehr. Auch bietet die Zeitarbeit neue Möglichkeiten, Arbeitsplätze zu schaffen und Personal für die Betriebe zu finden bzw. Arbeitssuchenden einen Weg in die Arbeitswelt zu eröffnen.
Diesen Vorteilen stehen aber auch mehrere Nachteile gegenüber. So ist die Leiharbeit immer die erste Branche, die im Falle einer Krise Personal abbaut. Darüber hinaus bietet sie nur selten einen echten Weg in eine Festanstellung. Während sie zwar Arbeitssuchenden einen Weg in die Arbeit bietet, ist der Sprung von dort zu einer permanenten Beschäftigung weit schwieriger.
Umgedreht ist es sehr viel einfacher, von der Leiharbeit in die Arbeitslosigkeit abzurutschen. Das bringt das Verarmungsrisiko mit sich. Während die Leiharbeiter ohnehin weniger als die Stammbelegschaft verdienen, besteht die Gefahr, dass das verringerte Einkommen im Falle einer Arbeitslosigkeit eine besondere finanzielle Härte darstellt.
Weiterhin werden Leiharbeiter oft außerhalb ihrer Qualifikation eingesetzt. Das hat mit voranschreitender Arbeitsdauer Dequalifizierung zur Folge, die den Weg in eine Festanstellung noch weiter erschwert.
In der Praxis greifen jedoch Unternehmen mehr und mehr aus Kostengründen auf die Leiharbeit zurück. Diese wird dann mehr und mehr ein integraler Bestandteil der Belegschaft, ohne jedoch ein Teil der Stammbelegschaft zu werden. Das schmälert die Chancen für die Leiharbeiter, zum Stammbeschäftigten zu werden, noch weiter.
Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass die Leiharbeit sehr wohl Chancen bietet. Die damit einhergehenden Risiken machen sie jedoch eher zu einer letzten Wahl als einem bevorzugten Weg in die Arbeitswelt. Auch ist ihr Wandel eher dazu geeignet, den Übergang in eine Festanstellung zu erschweren, anstatt ihn zu erleichtern.
Häufige Fragen zu Zeitarbeit vs. Festanstellung
Zeitarbeit erfolgt auf Basis eines rechtsgültigen Arbeitsvertrages zwischen Leiharbeitnehmer und Verleihunternehmen sowie eines Überlassungsvertrages. Sie ist sozialversicherungspflichtig und unterliegt dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG). Das gewährleistet rechtliche und soziale Sicherheit – anders als bei Schwarzarbeit oder getarnten Werkverträgen. Im Streitfall lassen sich die Rechte notfalls vor Gericht durchsetzen.
Laut einem Bericht des Bundesarbeitsministeriums gelangen nur rund 8% der Leiharbeiter innerhalb der ersten zwei Jahre ihrer Beschäftigung in eine Festanstellung. Die Übernahme setzt voraus, dass eine Stelle frei wird, der Leiharbeiter sich bewährt hat und der Betrieb grundsätzlich Interesse an einer Erweiterung der Stammbelegschaft hat. Die Chance besteht also, ist aber deutlich seltener als von der Politik erhofft.
77% der Leiharbeitnehmer verdienen unterhalb der Niedriglohnschwelle, und das Durchschnittseinkommen liegt 24% unter anderen Beschäftigungsgruppen. Das Verarmungsrisiko ist 4-mal so hoch wie bei regulär Beschäftigten. Bei Arbeitslosigkeit sinkt das Einkommen nochmals – oft ohne ausreichende Ansprüche aus der Arbeitslosenversicherung, da viele Leiharbeitsepisoden zu kurz sind, um entsprechende Ansprüche aufzubauen.
Leiharbeiter werden häufig für Tätigkeiten eingesetzt, die keine oder nur kurze Einarbeitungszeit benötigen – unabhängig von ihrer eigentlichen Qualifikation. 54% der Befragten in einer NRW-Studie gaben an, dass ihre Leiharbeitstätigkeit nicht ihrem erlernten Beruf entspricht. Mit der Zeit verblassen Fachkenntnisse, was die Chancen auf eine qualifizierte Festanstellung zunehmend verschlechtert.
Für rund 60% der Leiharbeitnehmer stellt die Leiharbeit tatsächlich einen Weg aus der Arbeitslosigkeit dar – 50% waren davor für bis zu ein Jahr arbeitslos, 10% sogar länger. Die verbleibenden 40% wechselten aus einer prekären Festanstellung (befristeter Vertrag, drohende Kündigung) in die Leiharbeit, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden. Die Zeitarbeit bietet also einen realen Einstieg, aber keine Garantie für einen nachhaltigen Weg in stabile Beschäftigung.
Leiharbeit wird von Unternehmen primär genutzt, um Auftragsspitzen abzudecken oder kurzfristige Personalbedarfe zu überbrücken. Da Leiharbeiter nicht zur Stammbelegschaft gehören und ihre Beschäftigung von Anfang an auf Zeit angelegt ist, werden sie bei Auftragsrückgängen als erstes freigesetzt – ohne die aufwändigen Kündigungsverfahren, die bei Stammbeschäftigten nötig wären. Das Risiko der Leiharbeit wird damit direkt auf die Sozialsysteme übertragen.
