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Spezialisten im Schiffbau – Systemplaner, Hydrodynamik & Werfttechnik

Der moderne Schiffbau ist nicht nur ein gigantisches Puzzle aus überdimensionalen Stahlteilen. Er ist ein hochkomplexes Zusammenspiel vieler spezialisierter Fachgebiete – und diese gehen weit über den klassischen Maschinen- oder Metallbau hinaus. Neben Mechanikern, Elektronikern und Schweißern sind hochqualifizierte Spezialisten aus weiteren Bereichen an jedem Bauprojekt beteiligt: aus der Ausrüstungstechnik, der Hydrodynamik und Strömungslehre, der Werfttechnik und Produktionsplanung sowie der Antriebs- und Turbinentechnik. Ihre Beiträge erlauben es nicht nur, Schiffe effizient zu bauen – sie gestalten Schiffe so, dass diese im Betrieb zuverlässig arbeiten, wenig Energie verbrauchen, sicher sind und die Umwelt schonen. Dieser Artikel stellt drei dieser Spezialgebiete vor, die im öffentlichen Bewusstsein weniger präsent sind, aber für den Schiffbau unverzichtbar sind.

Technische Systemplaner für Versorgungs- und Ausrüstungstechnik

Ein Schiff ist weit mehr als ein schwimmender Stahlkörper. Es ist ein vollständiges Versorgungssystem auf engstem Raum – mit Trinkwasserleitungen, Abwassersystemen, Klimaanlagen, Heizkreisläufen, Lüftungskanälen, Kraftstoffsystemen und einer Vielzahl weiterer Installationen, die das Bordleben und den technischen Betrieb erst möglich machen. Die Fachkräfte, die all diese Systeme entwerfen, planen und koordinieren, sind die technischen Systemplaner für Versorgungs- und Ausrüstungstechnik.

Aufgaben und Tätigkeiten

Technische Systemplaner erstellen technische Zeichnungen und dreidimensionale Modelle, die nicht nur das Schiff in seiner äußeren Form zeigen, sondern alle internen Versorgungs- und Ausrüstungssysteme in ihrer räumlichen Anordnung abbilden. Diese Modelle sind die Grundlage für die gesamte Montagearbeit der Rohrschlosser, Anlagenmechaniker und Elektriker: Ohne präzise, abgestimmte Pläne kann niemand wissen, wo welches Rohr, welcher Kanal und welche Leitung verläuft.

Im Einzelnen umfassen ihre Aufgaben:

  • Entwurf und Planung von Rohrleitungssystemen: Trinkwasser, Abwasser, Kühlwasser, Kraftstoff, Dampf, Gas und Ballastwasser – jedes Medium braucht sein eigenes, sorgfältig geplantes Leitungsnetz, das den Anforderungen an Druck, Temperatur und chemische Beständigkeit entspricht
  • Planung von Lüftungs-, Heiz- und Klimasystemen: Auf einem Schiff müssen Maschinenräume, Ladungsräume, Wohnbereiche und Brücke mit unterschiedlichen Klimabedingungen versorgt werden – alles in einem Bauwerk, das wenig Platz für Technik bietet
  • Koordination mit dem Schiffsentwurf: Systemplaner stimmen ihre Pläne ständig mit den Schiffbauingenieuren ab. Ändert sich die Rumpfform oder die Position eines Schottdurchbruchs, müssen die Leitungsführungen angepasst werden
  • Präzise räumliche Planung aller Komponenten: Rohrleitungen, Armaturen, Pumpen, Halterungen und Verbindungselemente müssen so geplant werden, dass sie montierbar, zugänglich und wartbar sind – und gleichzeitig keinen anderen Systemen in die Quere kommen
  • Einsatz spezialisierter Software: Die Arbeit erfolgt mit CAD-Systemen und maritimen Planungsprogrammen wie AVEVA Marine oder Siemens NX; aus diesen 3D-Modellen werden automatisch Stücklisten, Isometriepläne und Fertigungszeichnungen generiert

Die Qualität der Arbeit technischer Systemplaner entscheidet maßgeblich darüber, wie reibungslos die Montage auf der Werft verläuft. Fehler in der Planung – ein Rohr, das mit einem Kabelkanal kollidiert, oder eine Armatur, die nach der Montage nicht mehr zugänglich ist – kosten auf der Werft ein Vielfaches dessen, was eine sorgfältige Überprüfung im 3D-Modell gekostet hätte.

Ausbildung und Qualifikation

Technische Systemplaner werden im dualen Ausbildungssystem ausgebildet. Die Ausbildung dauert drei bis dreieinhalb Jahre und erfolgt parallel in einer Berufsschule und einem Ausbildungsbetrieb – typischerweise einer Werft, einem maritimen Ingenieurbüro oder einem spezialisierten Zulieferer. Der Schwerpunkt liegt auf dem Fachgebiet der Versorgungs- und Ausrüstungstechnik.

Die Ausbildungsinhalte umfassen:

  • Technisches Zeichnen und Lesen von Rohrleitungs- und Instrumentierungsdiagrammen (R&I-Fließschemata)
  • Grundlagen der Rohr-, Klimaanlagen- und Lüftungstechnik
  • CAD-Software für 2D-Zeichnungen und 3D-Modellierung (AVEVA Marine, Siemens NX, AutoCAD)
  • Werkstoffkunde für Rohre und Armaturen (Stahl, Edelstahl, Kupfer, Kunststoff)
  • Normen und Vorschriften der Klassifikationsgesellschaften für Schiffsinstallationen
  • Kollisionskontrolle und Abstimmungsprozesse im interdisziplinären Planungsteam

Weiterqualifizierung, Gehalt und Perspektiven

Mit der abgeschlossenen Ausbildung ist der Einstieg in die technische Projektarbeit möglich. Karrieremäßig können technische Systemplaner über mehrere Schritte aufsteigen:

  • Staatlich geprüfter Techniker (Versorgungstechnik oder Schiffbautechnik) – ermöglicht den Wechsel in die Projektleitungsebene
  • Studium zum Ingenieur (Versorgungstechnik, Maschinenbau oder Schiffstechnik) – für diejenigen, die in Führungs- oder Spezialistenfunktionen wechseln möchten
  • Spezialisierung auf Nischenbereiche wie Yachtbau, Offshore-Versorgungsschiffe oder LNG-Systemplanung – Bereiche mit überdurchschnittlicher Nachfrage und Vergütung

Das Einkommen technischer Systemplaner liegt je nach Erfahrung und Position zwischen 3.000 und 4.500 Euro brutto monatlich. Techniker und Ingenieure in Projektleitungsfunktionen können deutlich darüber liegen. Die Zukunftssicherheit des Berufs ist hoch: Mit der wachsenden Komplexität von Schiffssystemen – LNG-Kryoleitungen, Hybrid-Energiesysteme, Smart-Ship-Infrastruktur – wächst der Bedarf an qualifizierten Systemplanern kontinuierlich.

Technische Systemplaner für Versorgungs- und Ausrüstungstechnik

Fachingenieure für Hydrodynamik und Strömungslehre

Die Hydrodynamik und Strömungslehre sind das wissenschaftliche Fundament für den modernen Rumpfbau. Hier werden die theoretischen Grundlagen geschaffen, mit denen sich analysieren lässt, wie sich Wasser um den Schiffsrumpf herumbewegt – welche Kräfte entstehen, welcher Widerstand sich bildet und welche Geschwindigkeiten für welchen Enegieverbrauch optimal sind. Wer Schiffe effizienter machen will, muss verstehen, wie sie durch Wasser gleiten. Und dafür braucht er Hydrodynamik-Ingenieure.

Der Zusammenhang ist direkt und wirtschaftlich bedeutsam: Für große Handelsschiffe, die über Jahrzehnte täglich tausende Tonnen Kraftstoff verbrauchen, bedeutet eine Rumpfform-Optimierung mit einem Prozent weniger Widerstand Millionen von Euro gesparte Kraftstoffkosten und eine entsprechend reduzierte CO₂-Belastung über die Lebensdauer des Schiffes. Hydrodynamik-Ingenieure schaffen die Grundlage für genau diese Einsparungen.

Aufgaben und Methoden

Fachingenieure für Hydrodynamik und Strömungslehre arbeiten an der Schnittstelle zwischen theoretischer Physik und praktischer Ingenieurarbeit. Ihre Kernaufgaben sind:

  • Berechnung der Strömungsverhältnisse: Wie verhält sich Wasser an Bug, Rumpf und Heck des Schiffes? Wo entstehen Turbulenzen? Wie ändert sich das Strömungsbild bei verschiedenen Beladungszuständen und Geschwindigkeiten?
  • CFD-Simulationen (Computational Fluid Dynamics): Mit Softwarewerkzeugen wie ANSYS Fluent, STAR-CCM+ oder SHIPFLOW werden virtuelle Modelle des Schiffsrumpfes in einer simulierten Wasserumgebung getestet. Hunderte von Varianten können so in kurzer Zeit miteinander verglichen werden – weit schneller und günstiger als physische Modellversuche
  • Modellversuche im Schleppkanal: Trotz der Fortschritte in der CFD-Simulation bleiben physische Modellversuche in Schleppkanälen ein wichtiges Validierungsinstrument. In spezialisierten Einrichtungen – wie der Hamburgischen Schiffbau-Versuchsanstalt (HSVA) oder der Versuchsanstalt für Wasserbau und Schiffbau (VWS) in Berlin – werden Maßstabsmodelle durch ein Wasserbecken gezogen und die Kräfte gemessen
  • Propeller- und Antriebsoptimierung: Die Strömungseigenschaften des Rumpfes beeinflussen direkt die Propellerauslegung – ein Hydrodynamik-Ingenieur arbeitet daher eng mit Maschinenbauingenieuren zusammen, um das Gesamtsystem aus Rumpf, Propeller und Antrieb zu optimieren
  • Analyse von Seegangverhalten und Schiffsbewegungen: Wie verhält sich das Schiff in schwerem Seegang? Rollt es zu stark? Pitcht es übermäßig? Diese Bewegungen belasten Ladung, Besatzung und Struktur – und können durch gezielte Rumpfform-Anpassungen und Stabilitätssysteme reduziert werden
  • Innovative Beschichtungssysteme: Neben der Rumpfform spielen auch die Oberflächen eine Rolle für den Wasserwiderstand. Hydrodynamik-Ingenieure bewerten neue Antifouling- und Gleitbeschichtungen, die den Reibungswiderstand zusätzlich senken

Ausbildung und Qualifikation

Fachingenieure für Hydrodynamik und Strömungslehre benötigen ein abgeschlossenes Hochschulstudium. Der direkteste Weg führt über ein Studium der Schiffs- und Meerestechnik mit einem Schwerpunkt auf Hydrodynamik – angeboten z. B. an der TU Hamburg, der Universität Rostock oder internationalen Partnerhochschulen in Trondheim (NTNU) oder Delft (TU Delft). Ergänzend sind Kenntnisse in folgenden Bereichen von großem Vorteil:

  • Numerische Mathematik und Simulationstechnik: CFD-Simulationen sind rechnerintensiv und erfordern das Verständnis der zugrundeliegenden numerischen Methoden (Finite-Volumen-Methode, Navier-Stokes-Gleichungen)
  • Strömungsmechanik und Turbulenzmodellierung: Tiefes physikalisches Verständnis der Fluid-Struktur-Interaktion und der relevanten Turbulenzeigenschaften
  • Werkstoffkunde: Kenntnisse über Beschichtungssysteme und ihre hydrodynamischen Eigenschaften
  • Programmierkenntnisse: Python, MATLAB oder ähnliche Werkzeuge zur Auswertung und Visualisierung von Simulationsergebnissen

Gehalt und Zukunftsperspektiven

Das Gehaltsniveau für Fachingenieure in der Hydrodynamik ist überdurchschnittlich hoch – ein Ausdruck der Seltenheit dieser hochspezialisierten Qualifikation. Einstiegsgehälter liegen bei rund 4.000 Euro brutto monatlich; mit Berufserfahrung steigen sie schnell auf 6.000 bis 8.000 Euro monatlich. Als Projektleiter oder leitende Ingenieure bei spezialisierten Instituten oder großen Werften sind auch höhere Vergütungen möglich.

Die Zukunftsperspektiven sind ausgezeichnet: Der globale Fokus auf nachhaltige Schifffahrt – getrieben durch IMO-Klimaziele, steigende Kraftstoffkosten und regulatorischen Druck – macht die Rumpfformoptimierung zu einem dauerhaften Wachstumsfeld. Jede neue Schiffsgeneration muss effizienter sein als die vorangegangene; innovative Beschichtungssysteme, Luftschmierungstechnologien und adaptive Rumpfformen sind aktive Forschungsfelder, die Hydrodynamik-Ingenieuren dauerhaft Arbeit sichern.

Fachingenieure für Hydrodynamik und Strömungslehre

Spezialisten für Werfttechnik und Produktionsprozesse

Werfttechnik und Produktionsprozesse sind ein unverzichtbares Fachgebiet der Schiffbauindustrie – und eines, das in der öffentlichen Wahrnehmung oft unterschätzt wird. Dabei geht es um weit mehr als die bloße Organisation einer Produktionslinie. Es geht um die systematische Planung, Analyse und kontinuierliche Optimierung aller Fertigungsabläufe auf einer Werft – von der Stahlvorbereitung und der Blockvorfertigung über den Zusammenbau auf dem Baudock bis zur abschließenden Ausrüstung und Erprobung des Schiffes.

Ohne Spezialisten für Werfttechnik und Produktionsprozesse würden selbst die besten Ingenieursentwürfe nicht effizient in fertige Schiffe umgesetzt werden können. Sie sind die Brücke zwischen dem „Was gebaut wird" und dem „Wie es gebaut wird" – und genau diese Brücke bestimmt, ob eine Werft wettbewerbsfähig, termintreu und profitabel arbeiten kann.

Aufgaben und Tätigkeiten

Die Spezialisten für Werfttechnik und Produktionsprozesse übernehmen ein breites Aufgabenspektrum, das sich vom strategischen bis zum operativen Bereich erstreckt:

  • Analyse und Optimierung von Arbeitsabläufen: Wie läuft ein Produktionsauftrag durch die Werft? Wo entstehen Wartezeiten, Engpässe und Verschwendung? Werfttechnik-Spezialisten analysieren diese Abläufe systematisch – häufig mit Methoden des Lean Manufacturing oder des industriellen Prozessmanagements
  • Entwicklung von Produktionslayouts: Wie werden Werkshallen, Lager, Kräne, Transportwege und Baudocks angeordnet, um die Materialflüsse zu minimieren und die Montagesequenz zu optimieren? Selbst kleine Verbesserungen im Layout können bei großen Schiffsprojekten erhebliche Zeit- und Kosteneinsparungen bringen
  • Planung und Steuerung der Materialflüsse: Stahl, Rohre, Kabel, Maschinen und Ausstattungsgegenstände müssen zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein – nicht zu früh (sonst blockieren sie Flächen und Kräne) und nicht zu spät (sonst stoppt die Produktion)
  • Qualitätsüberwachung der Fertigung: Entsprechen die gefertigten Bauteile und Baugruppen den Konstruktionsvorgaben und den Klassenvorschriften? Werfttechnik-Spezialisten entwickeln Qualitätssicherungsprozesse und überwachen deren Einhaltung
  • Einführung neuer Fertigungstechnologien: Roboterschweißanlagen, CNC-Schneidemaschinen, automatisierte Transportfahrzeuge (AGV), digitale Werkzeugverwaltungssysteme – all das muss geplant, beschafft, eingeführt und in die bestehenden Prozesse integriert werden
  • Einsatz digitaler Planungstools: KI-gestützte Produktionsplanung, Simulation von Fertigungsabläufen und die Analyse von Produktionsdaten in Echtzeit sind Werkzeuge der modernen Werfttechnik; wer sie beherrscht, schafft konkrete Wettbewerbsvorteile

Ausbildung und Qualifikation

Der Weg in die Werfttechnik und Produktionsplanung ist vielfältig. Es gibt nicht den einen vorgeschriebenen Ausbildungspfad – stattdessen kommen Spezialisten aus verschiedenen Hintergründen:

  • Studium Schiffbau, Fertigungstechnik oder Wirtschaftsingenieurwesen: Das klassische akademische Fundament. Wirtschaftsingenieure bringen dabei die besondere Kombination aus technischem Verständnis und betriebswirtschaftlichem Denken mit, die für die Optimierung von Produktionsprozessen besonders wertvoll ist
  • Aufstieg aus dem technischen Handwerk: Viele erfolgreiche Werfttechnik-Spezialisten haben als Schiffbauer, Schweißer oder Mechaniker begonnen und sich über Weiterbildungen zum Meister, Techniker oder im Rahmen eines berufsbegleitenden Studiums für Führungspositionen qualifiziert. Diesen Weg schätzen Werften besonders – weil das Praxiswissen aus der Produktion unverzichtbar ist
  • Lean Manufacturing und Prozessmanagement-Zertifizierungen: Six Sigma, Lean Production und Kaizen sind Methodiken, die aus der Automobilindustrie stammen und zunehmend in der Werftindustrie eingesetzt werden. Entsprechende Zertifizierungen sind wertvolle Zusatzqualifikationen

Gehalt und Zukunftsaussichten

Das Einkommen in der Werfttechnik und Produktionsplanung hängt stark von Erfahrung, Verantwortungsbereich und Unternehmensgröße ab. Als Orientierung können folgende Werte gelten: Berufseinsteiger verdienen 4.000 bis 5.000 Euro brutto monatlich; erfahrene Spezialisten in Projektleitungs- oder Abteilungsleiterrollen erreichen 6.000 bis 7.000 Euro und mehr. In Geschäftsführungs- oder Direktorenpositionen bei größeren Werften sind auch höhere Vergütungen möglich.

Die Zukunftsaussichten sind hervorragend und werden durch einen klaren strukturellen Trend gestützt: die Digitalisierung der Werftproduktion. Von der KI-gestützten Fertigungsplanung über die Echtzeitanalyse von Produktionsdaten bis zur vollständigen Simulation von Bauprozessen – Werften müssen sich technologisch erheblich weiterentwickeln, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Genau deshalb werden Spezialisten, die Schiffbau-Know-how mit digitaler Kompetenz verbinden, zu den begehrtesten Fachkräften der maritimen Branche.

Spezialisten für Werfttechnik und Produktionsprozesse

Zusammenarbeit der Spezialgebiete – warum alle drei unverzichtbar sind

Die drei vorgestellten Spezialgebiete – Systemplaner für Versorgungs- und Ausrüstungstechnik, Hydrodynamik-Ingenieure und Werfttechnik-Spezialisten – mögen auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben. In der Realität eines Schiffbauprojekts sind sie jedoch eng miteinander verknüpft:

  • Der Hydrodynamik-Ingenieur entwickelt die optimale Rumpfform. Diese beeinflusst die verfügbaren Platzverhältnisse für Systeme und Leitungen – was wiederum die Arbeit des Systemplaners beeinflusst.
  • Der Systemplaner legt fest, wo Rohrleitungen, Lüftungskanäle und Heizungsrohre verlaufen. Diese Planung muss mit der Sektionseinteilung und dem Montageablauf abgestimmt sein – was direkt in den Verantwortungsbereich der Werfttechnik fällt.
  • Der Werfttechnik-Spezialist organisiert die Fertigung so, dass Blöcke und Sektionen in der optimalen Reihenfolge gebaut, vorgefertigt und zusammengesetzt werden – wobei er die technischen Vorgaben der Ingenieure und Systemplaner umsetzen muss.

Dieses enge Zusammenspiel macht deutlich, warum der Schiffbau auf Fachkräfte aus allen drei Bereichen gleichermaßen angewiesen ist. Ein Schiff, das zwar hydrodynamisch optimal entworfen, aber schlecht ausgerüstet oder ineffizient produziert wurde, wird im Betrieb und auf dem Markt nicht erfolgreich sein. Erst wenn alle Spezialgebiete optimal zusammenarbeiten, entsteht ein Schiff, das in Leistung, Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit überzeugt.

Fachgebiet Kernaufgabe Ausbildungsweg Schlüssel-Software Gehalt (brutto/Monat)
Technischer Systemplaner (Ausrüstungstechnik) Planung aller Versorgungs- und Ausrüstungssysteme an Bord Duale Ausbildung + Techniker / Studium AVEVA Marine, Siemens NX, AutoCAD 3.000 – 4.500 €
Hydrodynamik-Ingenieur Rumpfformoptimierung, CFD-Simulation, Schleppkanalversuche Studium Schiffs- / Meerestechnik (Schwerpunkt Hydrodynamik) ANSYS Fluent, STAR-CCM+, SHIPFLOW, MATLAB 4.000 – 8.000 €
Werfttechnik- / Produktionsspezialist Planung und Optimierung aller Fertigungsabläufe Studium Fertigungstechnik / WI / Aufstieg aus Handwerk ERP-Systeme, Simulationssoftware, KI-Tools 4.000 – 7.000 €

Häufige Fragen zu Spezialisten im Schiffbau

Ein technischer Systemplaner erstellt dreidimensionale Modelle und technische Zeichnungen für alle Versorgungs- und Ausrüstungssysteme an Bord – Rohrleitungen für Trinkwasser, Abwasser, Kraftstoff, Dampf und Ballastwasser sowie Lüftungs-, Heizungs- und Klimasysteme. Er stimmt diese Pläne laufend mit Schiffbauingenieuren, Rohrschlossern und Elektrikern ab, erkennt räumliche Kollisionen im 3D-Modell frühzeitig und sorgt dafür, dass alle Systeme installierbar, zugänglich und wartbar geplant sind. Ohne seine Pläne wüsste kein Monteur auf der Werft, wo welches Rohr und welcher Kanal hingehört.

CFD steht für Computational Fluid Dynamics – rechnergestützte Strömungssimulation. Mit CFD-Software wird simuliert, wie Wasser um einen Schiffsrumpf strömt, welche Drücke und Kräfte entstehen und wie groß der Strömungswiderstand ist. Im Schiffbau ermöglicht CFD die virtuelle Optimierung von Rumpfformen, bevor ein einziges physisches Modell gebaut wird. Das spart erhebliche Zeit und Kosten und erlaubt es, viele Varianten schnell zu vergleichen. Gleichzeitig validieren physische Schleppkanalversuche die CFD-Ergebnisse. Beide Methoden ergänzen sich – CFD für die schnelle Variantenuntersuchung, Schleppkanäle für die präzise Messung.

Werfttechnik umfasst die Planung, Organisation und Optimierung aller Fertigungsabläufe auf einer Werft – von der Stahlvorbereitung über die Blockvorfertigung bis zur Endausrüstung. Sie bestimmt, wie effizient, termingerecht und kostengünstig ein Schiff gebaut wird. Eine Werft mit schlechter Produktionsplanung verliert Aufträge an Konkurrenten; eine mit guter Werfttechnik kann Schiffe schneller, günstiger und mit besserer Qualität liefern. In einer globalisierten Branche, in der asiatische Werften mit niedrigeren Lohnkosten konkurrieren, ist überlegene Werfttechnik ein entscheidender Wettbewerbsfaktor für europäische Schiffbauer.

Der Hauptweg führt über ein Studium der Schiffs- und Meerestechnik oder des Maschinenbaus mit Spezialisierung auf Strömungslehre und Hydrodynamik. Anschließend stehen mehrere Karrierewege offen: Forschung und Entwicklung bei Versuchsanstalten wie der HSVA in Hamburg oder der VWS in Berlin; Konstruktions- und Hydrodynamikabteilungen großer Werften; spezialisierte Ingenieurbüros; und Hersteller von Antriebssystemen, für die Rumpf-Propeller-Interaktion ein wichtiges Forschungsfeld ist. Viele Hydrodynamik-Ingenieure promovieren und verbinden eine wissenschaftliche Karriere mit industriellen Projekten.

Die Digitalisierung verändert die Werfttechnik grundlegend. Traditionell wurden Produktionsabläufe manuell geplant und durch Erfahrung optimiert. Heute ermöglichen KI-gestützte Planungssysteme die automatische Generierung optimaler Bausequenzen; Echtzeit-Tracking von Bauteilen über RFID und IoT-Sensoren gibt der Produktionssteuerung jederzeit den aktuellen Fertigungsstatus; digitale Zwillinge der Werft simulieren den gesamten Produktionsprozess, bevor er in der Realität gestartet wird; und Roboterschweißanlagen mit lernfähigen Algorithmen passen sich an veränderte Nahtgeometrien an. Spezialisten, die diese Technologien kennen und einsetzen können, sind auf dem Arbeitsmarkt extrem gefragt.

Ja. Osteuropäische Länder verfügen über anerkannte Hochschulen mit maritimen und ingenieurtechnischen Studiengängen: die Nationale Universität für Schiffbau in Mykolaiv (Ukraine), die Akademia Morska in Gdynia und Szczecin (Polen), die Universität Split (Kroatien) und die Polytechnische Universität Bukarest (Rumänien) bilden Ingenieure aus, die auf internationalem Niveau arbeiten können. Systemplaner aus osteuropäischen Ausbildungsbetrieben bringen häufig starke CAD-Kenntnisse mit; Hydrodynamik-Absolventen aus Mykolaiv haben eine fundierte mathematisch-physikalische Ausbildung. Als Personaldienstleister unterstützen wir bei der Vermittlung und dem gesamten administrativen Prozess.

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